James: Der Pragmatismus (4) – Metaphysik und Wahrheitstheorie
„Der Pragmatismus“
von William James
Zum Mitlesen (leider nur im englischen Original): Volltext bei Project Gutenberg
Mein Anspruch, Theorien zwar verständlich, aber dabei nicht oberflächlich zu behandeln, führt zu Texten, die eigentlich zu lang sind für das Internet. Deshalb bin ich in letzter Zeit dazu übergegangen, die Texte zu unterteilen und ein Thema umfassend in mehreren Texten zu behandeln. Hier kommt der dritte Teil einer Serie zu William James‘ Buch „Der Pragmatismus“ – einem zentralen Werk aus der Frühphase der philosophischen Strömung Pragmatismus. (Du kennst die ersten Teile noch nicht? Dann hier entlang: Teil 1; Teil 2; Teil 3.)
In diesem Teil schauen wir uns die die Metaphysik und vor allem die Wahrheitstheorie des Pragmatismus ein bisschen genauer an. Besonders Letztere ist in der Debatte um den Pragmatismus immer wieder kritisiert worden.
Auf dem Mittelweg?
In den letzten Texten habe ich geschildert, dass der Pragmatismus Theorie und Praxis verbinden will und dabei auch eine Überwindung des Grabens zwischen Rationalismus und Empirismus anstrebt. Doch was bedeutet eigentlich die Bezeichnung „Pragmatismus“? Peirce hat dieses Wort mit Bedacht gewählt und es dabei der kantischen Terminologie entlehnt. Pragmatisch ist das, was Mittel und Zwecke betrifft, also die Verbindung zwischen einem Ziel und den Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Ganz im Gegensatz zu „praktisch“, was bei Kant einen klar ethischen Inhalt hat: Seine „Kritik der praktischen Vernunft“ ist eine Theorie der Moralbegründung.1
Die Handlungsorientierung, die Orientierung am Modell des Experiments, steht also ganz im Zentrum des Pragmatismus und hat sogar seinen Namen bestimmt. James stellt das strategisch als einen idealtypischen philosophischen Mittelweg dar. Doch was bedeutet diese zentrale Stellung des menschlichen Handelns für ganz konkrete Fragen der Philosophie im Pragmatismus? Darum soll es in diesem Text gehen.
In den Kapiteln des Buchs geht James auf verschiedene klassische philosophische Fragen ein und präsentiert die Antwort, die der Pragmatismus auf sie gibt: Beispielsweise zum Thema freier Willen, zur Erkenntnistheorie und zur Metaphysik. Zwar präsentiert James den Pragmatismus als den Mittelweg zwischen Rationalismus und Empirismus und dekliniert das auch immer wieder durch. Beispielsweise in der Metaphysik, in der er die Grundentscheidung Monismus (die Welt ist eine unteilbare Einheit) und Pluralismus (die Welt ist eine Vielheit) diesen beiden Strömungen zuordnet. Der Pragmatismus vereint diese Ansichten insofern, als er davon ausgeht, dass die Welt weder nur ein Multiversum, noch nur ein Universum ist (S. 93). Am Ende neigt James aber in Richtung Pluralismus. Diesen hält er eher für fähig, auch Einheitliches mit einzubeziehen als den Monismus für in der Lage, Pluralität einzubeziehen (101f.). Und diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch: Natürlich ist der Pragmatismus der Mittelweg, aber die Hauptgegner, gegen die James anschreibt, sind doch auf der Seite des Rationalismus zu finden. Und wenn er sich entscheiden muss, neigen seine eigenen Ansichten eher in Richtung Empirismus. Auch, weil er annimmt, dass dieser eher in der Lage ist, rationalistische Perspektiven zu integrieren, als umgekehrt.
Ein weiterer Punkt, den ich zumindest kurz nennen möchte, denn er erklärt viele Aspekte des Pragmatismus gut, ist sein Meliorismus. Mit Meliorismus ist eine Art Grundoptimismus gemeint, die Annahme, dass die Dinge nicht vorherbestimmt sind, sondern offen, und dass sie besser werden können. Es hängt natürlich vom menschlichen Tun ab, ob sie tatsächlich besser werden. James zumindest ist da recht zuversichtlich.
Dieser Optimismus durchzieht den Pragmatismus insgesamt. Vielleicht wurde er auch deshalb immer für so sehr amerikanisch gehalten. Und zum anderen ist der Meliorismus deswegen so wichtig, weil er mit der Offenheit, die ihm zugrundeliegt, dem Menschen relativ viel Handlungsmacht zumisst: Nur wenn nicht sowieso alles durch Notwendigkeiten vorherbestimmt ist (wie in manchen rationalistischen oder auch religiösen Ansichten der Fall), kommt es auf das menschliche Handeln an. Nur wenn unser Handeln einen Unterschied in der Welt macht, kann es erfolglos oder erfolgreich sein – und nur so kann gelungenes Handeln zu einem guten Ausgang und zu einer Verbesserung in der Welt beitragen. Auch hier wehrt James sich wieder gegen abstrakte Weltbilder und plädiert dafür, die Welt in ihrer ganzen Vielfalt und prallen Lebendigkeit als zugänglich wahrzunehmen und sich in ihr aktiv handelnd zu bewegen.
Der Wahrheitsbegriff im Pragmatismus
Doch wie kann ein Geist, der so verstrickt ist in die lebendige Welt, überhaupt etwas wie Wahrheit erkennen? Sein Wahrheitskonzept ist der vielleicht bekannteste Teil des Pragmatismus und wohl auch der am häufigsten kritisierte.2 Denn der pragmatistische Wahrheitsbegriff wurde oft auf die Formel gebracht: Wahr ist, was nützt. Oder auch: Wahr ist, was funktioniert. Und ganz so einfach ist es dann doch nicht.
Vielleicht habt ihr ja schon den Text zu Wahrheit auf dieser Website gelesen. Klassisch und in vielen Philosophien wird Wahrheit als Abbild der Wirklichkeit verstanden, oder genauer: Das Wort Wahrheit bezeichnet die Beziehung zwischen Realität und Abbild, wobei das Abbild in der Regel die Form einer Aussage hat. Zum Beispiel: Der Satz „Berlin liegt in Deutschland.“ ist genau dann wahr, wenn Berlin wirklich in Deutschland liegt, wenn also das sprachliche Bild und die Realität übereinstimmen. Man sagt auch, die wahre Aussage korrespondiert mit der Realität.
Diese Korrespondenztheorie der Wahrheit nimmt der Pragmatismus auf, interpretiert sie aber in ganz eigener Weise. Und bei James ist das sehr anschaulich.
Auch er geht davon aus, dass Wahrheit eine Art von Übereinstimmung mit der Wirklichkeit sein muss. Allerdings versteht er Übereinstimmung nicht als Abbildung, sondern stellt den Prozess der Verifikation (Bewahrheitung) von Aussagen in den Mittelpunkt. Und wie stellt der Pragmatismus sich die Bewertung einer Aussage vor? Klar, sie muss einen praktischen Unterschied in unserem Handeln machen.
Der Wahrheitsbegriff bei James ist also entschieden prozessorientiert: „‚Das Wahre‘ ist, um es kurz zu sagen, nichts anderes als das, was uns auf dem Wege des Denkens vorwärts bringt […].“ (S. 140) Erinnern wir uns noch einmal an die pragmatistische Vorstellung der Verbindung zwischen Denken und Handeln: Oftmals handeln wir in der Welt, ohne groß darüber nachzudenken. Unsere Überzeugungen, unser Wissen über die Welt, helfen uns, erfolgreich zu handeln. Wenn nun eine Handlung nicht das geplante Ergebnis hat, bedeutet das, dass wir unsere Überzeugung anpassen müssen.
Bezogen auf die Wahrheitskonzeption des Pragmatismus bedeutet das: Eine solche Überzeugung, die zu „falschen“ Ergebnissen geführt hat, müssen wir als falsch einsortieren. Umgekehrt bedeutet das aber, dass Überzeugungen, die uns in unserem Handeln weiterbringen, die zu den gewünschten Zielen führen, eben wahr sind. Wahrheit ist also nicht eine große, über der Welt schwebende Idee, sondern etwas, das ganz konkret in der Welt erreichbar ist und sich zeigt.
Und es bedeutet auch, dass Wahrheit veränderlich ist. Oftmals stellt man sich Wahrheit als etwas vor, das man, hat man es einmal gefunden, für immer „besitzt“. Wenn man dann eine Reihe von wahren Aussagen angesammelt hat, baut man daraus das Gebäude des (ewigen) Wissens. So ist eine landläufige Vorstellung und sie findet sich auch in weiten Teilen der Philosophiegeschichte – unter anderem im von James so kritisierten Rationalismus. Im Pragmatismus sind Wahrheiten allerdings nicht ewig. Hat sich eine Aussage einmal in meinem Handeln als wahr erwiesen, kann ich von ihrer Wahrheit ausgehen – bis sie eines Tages nicht mehr zu den gewünschten Handlungsergebnissen führt, dann ist sie falsch geworden. Aber in der Vergangenheit war sie durchaus wahr.
Das heißt, der Test, ob eine Aussage wahr oder falsch ist, liegt in ihrer Bewahrheitung in einer ganz konkreten Situation. Und der Wert der Wahrheit liegt wieder nicht in ihr selbst, Wahrheit „an sich“ hat keinen Wert für uns. Sondern der Wert einer wahren Vorstellung liegt darin, was sie für uns tut: Wenn ich hungrig bin und weiß, dass sich in meiner Küche Brot befindet und dass dieses essbar ist, dann haben diese wahren Überzeugungen einen praktischen Wert für mich – und indem ich in die Küche gehe und das Brot hole und esse, verifiziere ich diese Überzeugung.
Es ist allerdings so, dass wir häufig mit Annahmen umgehen, bei denen wir davon ausgehen, dass sie wahr sind, ohne dass wir sie in diesem Augenblick selbst verifizieren. Wir könnten diese Annahme bereits früher einmal verifiziert haben oder jemand anderes könnte seine Überzeugung mit uns geteilt haben – auch medial vermittelt, z.B. durch ein Buch. Da wir in der Lage sind, Begriffe und Klassen zu bilden, können wir auch Wissen übertragen: Was ich über einen Baum weiß, kann ich vielleicht auf alle Bäume übertragen, oder auf alle Bäume derselben Art – je nachdem, worum es geht.
Das heißt, wir operieren im Alltag viel mit Annahmen, die wir nicht buchstäblich selbst verifiziert haben, aber bei denen wir gute Gründe haben, ihre Wahrheit trotzdem anzunehmen. „Die Wahrheit lebt tatsächlich größtenteils vom Kredit.“ (S. 130) sagt James dazu. Solange ich und die Menschen, mit denen ich interagiere, Annahmen für wahr halten und entsprechend handeln, muss nicht jede Annahme vollständig verifiziert werden. Es reicht oftmals die Verifizierbarkeit.
Auch hier erfüllt die Wahrheit ihre Funktion als Führerin und Leiterin. Und darum geht es ja: Wahre Aussagen sind die, die uns auf dem Weg unseres Handelns weiterbringen, uns durch die Realität führen.
Dem Pragmatismus wurde verschiedentlich der Vorwurf gemacht, Wahrheit würde auf diese Weise beliebig werden, denn so sei doch einfach das wahr, was uns gefällt. Aber dieser Einwand trifft nicht: Es ist ja nicht beliebig, welche Überzeugung mir im konkreten Handeln hilft. Ich kann natürlich fest daran glauben, dass im November Sommer ist und 30 °C herrschen – aber wenn ich dann im T-Shirt rausgehe, werde ich wohl frieren. Das heißt, ich kann mir nicht einfach etwas wünschen und es für wahr erklären. Eine Überzeugung muss sich immer daran messen lassen, ob sie uns hilft, erfolgreich mit der Realität zu interagieren.
Insofern ist Wahrheit im Pragmatismus genauso wenig beliebig wie im Rationalismus. Sie ist aber weniger absolut als im Rationalismus, denn sie kann sich verändern oder sich in der Zukunft als unwahr herausstellen. Während im Rationalismus die Wahrheit sozusagen von außen an die Realität herangetragen wird, indem sie diese einfach abbilden und keinen Einfluss auf die Realität haben soll, ist für den Pragmatismus die Wahrheit ein Teil der Realität. Und das ergibt ja auch Sinn: Wenn ich eine Überzeugung habe und entsprechend handle, dann verändere ich die Realität.
Menschen und Tatsachen
Aber man kann noch weiter gehen. Im siebten Kapitel des Buches behandelt James den menschlichen Einfluss auf die Wahrheit. Er sagt, wenn man die Realität und die Annahmen über sie in ein Verhältnis setzt, dann muss man auch das menschliche Element berücksichtigen. Denn was ist denn eine „Tatsache“? Eine Zusammenfügung von Elementen aus der Realität, die wir als Elemente überhaupt erst herausgreifen aus dem unendlichen Strom der Wahrnehmung und der Realität. Menschliche Wahrnehmung, Einordnung und Realität ergeben nur gemeinsam die Tatsachen als abgegrenzte Tatsachen, auf die eine Aussage dann Bezug nehmen kann. Wir entscheiden, was überhaupt ein „Ding“ ist, sortieren Dinge in Kategorien, stellen Beziehungen her usw.
„Macht der Bach seine Ufer oder machen die Ufer den Bach? Geht der Mensch mehr mit seinem rechten oder seinem linken Bein? So unmöglich es ist, darauf zu antworten, so wenig kann man in unserer Erkenntnisentwicklung die objektiven Faktoren von den vermenschlichenden (subjektiven) Faktoren trennen.“
James: Der Pragmatismus, S. 159
Der Pragmatismus trifft also nicht nur eine Aussage darüber, wie Wahrheit funktioniert, was wahr ist und was nicht: In letzter Konsequenz beruht diese Vorstellung auf einer bestimmten Metaphysik, also auf Vorstellungen über die Struktur der Welt. Der Pragmatismus sagt: Die Begriffe, die Kategorien, die Beziehungen, all das ist menschengemacht. Es gibt keine abstrakten Wesen, z.B. eine Ideenwelt, wie Platon sie angenommen hat, in der das „Wesen des Hauses“ das „Wesen des Stuhls“ oder das „Wesen des Winters“ ein für alle Mal festgelegt sind. In einer solchen Welt wäre es unsere Aufgabe, die uns zugänglichen (und gegenüber der Ideenwelt unvollkommenen) realen Dinge anzusehen und an diesen Ideen zu messen: „Ist dies ein Stuhl, entspricht dieses Ding dem Wesen des Stuhls?“
James sagt: Nein, unsere Begriffe bilden kein „Wesen“ ab, sie sind einfach verdichtete Erfahrungen. „Winter“ zum Beispiel ist die Bezeichnung für eine Zeit im Jahr, in der das Wetter erfahrungsgemäß im Großen und Ganzen kalt ist und die sich auch noch durch weitere Merkmale auszeichnet (der Stand der Sonne, bestimmte religiöse Feste… etc.). Und solche menschengemachten Begriffe: Wie sollten es möglich sein, mit diesen eine ewige Wahrheit zu erzeugen? Das ergibt doch keinen Sinn. Wahrheit ist genauso menschlich wie all unser Handeln in der Welt.
Und auch wenn es gute Gründe gibt, trotzdem darauf zu beharren, dass sehr viel in der Welt unabhängig von uns Menschen geschieht – James würde dem auch nicht widersprechen! –, so geben wir Menschen diesen Aussagen erst Sinn und können in Überlegungen dazu, was Wahrheit ist, als Handelnde und Sprecher*innen nicht einfach herausgerechnet werden. Mindestens sind wir diejenigen, die die Kategorien festgelegt haben, beispielsweise in der Astronomie. Wahrheit kann also, vertritt man einen pragmatistischen Wahrheitsbegriff, nicht unabhängig vom Menschen gedacht werden. Nicht zuletzt ist die Sprache, in der wir über Wahrheit nachdenken, ebenfalls menschengemacht und verändert sich stetig.
„Der Unterschied zwischen Pragmatismus und Rationalismus ist jetzt in seiner ganzen Bedeutung und Tragweite erkannt. Der wesentliche Gegensatz besteht darin, daß für den Rationalismus die Wirklichkeit von aller Ewigkeit her fertig und vollendet ist, während sie für den Pragmatisten noch im Werden ist und ihre Gestaltung zum Teil erst von der Zukunft erwartet. Auf der einen Seite ruht das Universum in absoluter Sicherheit, auf der andern geht es noch immer seinen Abenteuern nach.“
James: Der Pragmatismus, S. 164
Und mit diesem lebensbejahenden Zitat möchte ich die Reihe über James’ Buch „Der Pragmatismus“ schließen. Der Wahrheitsbegriff ist vielleicht der Aspekt des klassischen Pragmatismus, der den stärksten Angriffen ausgesetzt war. Zugleich versteht man hier am besten die Grundsätzlichkeit und Tiefgängigkeit dieses philosophischen Ansatzes. Es geht nicht nur an der Oberfläche um menschliches Handeln und Lernen, es geht bis in die Tiefen der Metaphysik um eine prozessorientierte und zukunftsgerichtete Auffassung von der Welt, die den Menschen nicht in den Mittelpunkt der Welt stellt, aber die unauflösbare Verschränkung von Mensch und Welt in unserer Wahrnehmung und unserem Denken und auch die Standpunktbezogenheit unseres Denkens sehr deutlich macht.
Ich persönlich finde die große Zugänglichkeit eines solchen Ansatzes sehr überzeugend. Natürlich ist es letztlich eine Glaubensfrage, ob man die Idee einer unveränderlichen Realität (auf die sich auch ewige Wahrheiten beziehen können) überzeugend findet, oder eher von einer ständig sich verändernden Realität ausgeht, die wir Menschen irgendwie deuten, was bedeutet, dass diese Deutungen natürlich ebenfalls veränderbar sind. Die Sache mit den Temperamenten, die im 3. Teil der Reihe zum Pragmatismus zur Sprache kam, ist aus dieser Perspektive gar nicht so weit hergeholt.
Besonders möchte ich aber noch einmal die Offenheit hervorheben, die den Pragmatismus auszeichnet: Mit dem Pragmatismus ist den Menschen tatsächlich Handlungsmacht gegeben, also die Möglichkeit zu wirksamem Handeln in und an der Welt – einer Welt, die ständig im Werden ist und an der wir unseren Anteil haben.
Wie geht es weiter?
Wer mehr über den Pragmatismus wissen will, oder wie es in den folgenden 120 Jahren mit ihm weitergegangen ist, dem kann ich nur empfehlen, weiter zu lesen.
Neben James ist die Philosophie John Deweys ebenfalls sehr zugänglich. Hier ist die Schwierigkeit allerdings, dass er unheimlich viel geschrieben und veröffentlicht hat. Er ist nicht nur als Philosoph, sondern auch als Psychologe und vor allem als Reformpädagoge bekannt und hat zu einer großen Bandbreite an Themenfeldern veröffentlicht, und nur ein Teil seiner Schriften ist aktuell auf Deutsch verfügbar.
Bei Dewey wie beim Neopragmatisten Richard Rorty ist der politische Gehalt einer pragmatistischen, offenen Weltanschauung deutlich zu erkennen. Gerade das macht ihre Schriften zu spannenden Lektüren. Im Vergleich dazu sind James und Peirce ziemlich unpolitisch. Je nach Interessenlage können aber natürlich noch weitere pragmatistische Philosoph*innen spannend sein. Viele sind auch in ihrem Schreibstil ziemlich zugänglich, also traut euch ruhig!
Genannte Originaltexte… und zum Weiterlesen
Charles S. Peirce: What Pragmatism is. In: The Monist 15, S. 161–181.; neu veröffentlicht als CP 5.411–437.
Link: https://web.archive.org/web/20081207050247/http://www.cspeirce.com/menu/library/bycsp/whatis/whatpragis.htm
William James: Der Pragmatismus. Ein neuer Name für alte Denkmethoden. Hamburg: Meiner 1994.
John Dewey: Die Suche nach Gewißheit. Eine Untersuchung des Verhältnisses von Erkennen und Handeln. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2001.
(Leider vergriffen und antiquarisch teuer. Vielleicht findet ihr es in einer guten Bibliothek. Auf Englisch ist es hier im Volltext zu finden: https://archive.org/details/questforcertaint029410mbp/mode/2up)
Richard Rorty: Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992.
- Peirce selbst erläutert seine Begriffswahl in seinem 1905 erschienenen Aufsatz „What Pragmatism is“. ↩︎
- James’ Wahrheitskonzept findet sich in Kapitel 6, Kapitel 7 ist für das vertiefte Verständnis aber auch wichtig. ↩︎
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